Aktuelles








Die Stimme für Kinder

Kinder und Gesellschaft

Debatte um die Kinderarmut

Kinderarmut

Die Deutsche Kinderhilfe kritisiert die von den Sozialverbänden beeinflusste Diskussion um die Kinderarmut in Deutschland: Bargeldförderung der Eltern mit der Gießkanne kommt häufig bei den Kindern nicht an. Bargeld erhöht nicht die Erziehungskompetenz der Eltern, sie zementiert vielmehr den sozialen Ausgrenzungsstatus. Mit einer Erhöhung der Hartz IV- Regelsätze oder der Einführung von Betreuungsgeld wird Kindern in Deutschland allerdings nicht geholfen.

Laut dem Armutsbericht 2008 der Bundesregierung leben 1,8 Millionen Kinder in Deutschland unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Diese Form der Kinderarmut erfasst jedoch ausschließlich finanzielle Aspekte. Dem entsprechen die Lösungsansätze, die bereit liegen: mehr Geld für Familien, eine Erhöhung des Kinderzuschlages, mehr Kindergeld, erhöhte Schulzuschläge sowie um mindestens 20% erhöhte Hartz IV-Regelsätze, es wird gar eine einkommensunabhängige Kindergrundsicherung zwischen 350 und 500 Euro je Kind gefordert.  Damit soll das Armutsproblem – zumindest statistisch gesehen – gelöst sein.

Die Betrachtung der Armut unter rein finanziellen Gesichtspunkten ist jedoch stark verkürzt und einseitig. Denn Kinderarmut bedeutet Armut an gesellschaftlicher Teilhabe, Armut an guter Ernährung, Bildung, Musik, Sport, Sprache und sozialen Kompetenzen.

Die Deutsche Kinderhilfe fordert daher eine offene und tabulose Diskussion der Gesamtproblematik, um eine echte und nachhaltige Lösung der Herausforderungen zu erreichen.

Es muss offen ausgesprochen werden, dass in Deutschland eine Unterschicht entstanden ist, in der Millionen von Kindern, vor allem auch solche mit Migrationshintergrund, von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Durch die soziale Ausgrenzung und mangelnde Integration gibt es eine große Anzahl von Eltern, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Bargeld stellt keine Erziehungskompetenz her und vermittelt kein Verantwortungsbewusstsein. Daher ist der unkontrollierte Bargeldtransfer der falsche Weg, um Kindern langfristige Perspektiven zu eröffnen.

Die Ernährung der Kinder stellt bei sozial benachteiligten Kindern ein großes Problem dar. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts sind 15% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig,  über 6% sind bereits als adipös und damit als fettsüchtig zu bezeichnen. Diese Kinder, die ein signifikant höheres Risiko für die Entwicklung chronischer Krankheiten aufweisen, stammen überwiegend aus sozio-ökonomisch schwachen Schichten. Ihre Eltern müssen stärker in die Verantwortung genommen werden. Hierbei ist es wichtig, ihnen Kompetenzen zu vermitteln, anstatt sie mit Bargeld auszustatten.

Die Verteilung von Bargeld kann dazu führen, dass der Konsum der Eltern gefördert wird. Indem sie Elektronikwaren kaufen, unterstützen sie den Medienkonsum ihrer Kinder. Es gehört zu den tabuisierten Fakten, dass der Medienkonsum in sozial schwach gestellten Familien höher ist, als in den besser situierten. Zwischen Fernsehen und Fettsucht gibt es einen direkten Zusammenhang. Der Anteil übergewichtiger oder adipöser Kinder in Familien mit schwachem Sozialstatus ist etwa drei Mal so hoch wie in Familien mit hohem sozialen Status. Auch der Konsum von Nikotin und Alkohol ist in sozial schwachen Familien höher als in sozial starken Familien.

Ein Verzicht auf überflüssige Konsumgüter – Flachbildschirmgeräte, Spielkonsolen oder der regelmäßige hohe Konsum von Nikotin und Alkohol – würde sehr viel Geld einsparen, das Kindern zugute kommen könnte.

Die mit der Einführung von Hartz IV festgesetzte Pauschalierung muss wieder abgeschafft werden. Eine Rückkehr zur bedarfsgerechten Einzelfallprüfung ist dringend notwendig. Die Umstellung etwa auf ein Gutscheinsystem wäre daher ein richtiger Schritt. Denn dadurch könnten Kinder, die diese Chance sonst nicht erhalten, kostenlos Sport treiben, musizieren, Sprachförderung erhalten und Sozialkompetenzen erwerben. Auf diesem Weg könnten Sie aus der Armut, im umfassenden Sinne verstanden, heraus kommen und die Lebensperspektive erhalten, die sie verdienen.

Ein wichtiger Schritt in diesem Zusammenhang ist außerdem die Bereitstellung von hochwertigen Bildungsangeboten. Dazu zählen die Einführung von flächendeckenden Ganztagskitas und Ganztagsschulen, in denen Kinder eine qualitativ gute Förderung und gesunde Nahrung erhalten. An dieser Stelle ist der Einsatz von zusätzlichen finanziellen Mitteln tatsächlich notwendig. Denn Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg, um aus der Armut herauszutreten!

Kinderarmut, die von großen Verbänden und Politik als rein finanzielles Problem dargestellt wird, existiert in dieser verengten Form in Deutschland nicht. Die Deutsche Kinderhilfe fordert daher von der Politik eine grundlegende Reform der Familienförderung: Die Hartz-Reformen haben gezeigt, dass auch gegen große gesellschaftliche Widerstände von Verbänden der Umbau eines reinen Transfersystems hin zu einem solchen, in dem auch gefordert wird, möglich ist. Europäische Nachbarstaaten, insbesondere die skandinavischen Länder, zeigen uns, dass die Verbindung aus Anreizen aber auch Verpflichtungen der beste Weg für eine nachhaltige Förderung unserer Kinder ist.

Lesen Sie...
Pressemeldungen der Deutschen Kinderhilfe finden Sie hier